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Kulinarische Abenteuer im hohen Norden in Island

Kulinarische Exzesse in Island sind für mitteleuropäische Gaumen und Geldbörsen mitunter strapaziös, zumindest aber sehr gewöhnungsbedürftig. Das Angebot erstreckt sich von Fisch über Fast Food bis zu fermentiertem Hai.

Kredenzt werden traditionelle Gerichte, von denen man oftmals nicht wissen will, wie die deutsche Übersetzung lautet. Insbesondere in Reykjavik finden sich auch experimentierfreudige, moderne Top-Restaurants. Da muss man mitunter etwas tiefer in die Tasche greifen.

Lange Zeit war Island ein armes und vor allem karges Land. Gegessen wurde alles, was es zu bieten hatte: Meeresfrüchte und Fisch, Schafe, Rentiere, Seevögel, Wale, Robben sowie Kartoffeln und Brot. Die Isländer haben das Haltbarmachen der Lebensmittel perfektioniert. Fleisch und Fisch werden eingesalzen, geräuchert oder einfach an der Meeresluft so lange zum Trocknen aufgehängt, bis sie fast zerfallen.

Die bekannteste Spezialität ist „Hakarl“. Der Eishai hat keine Nieren und lagert Giftstoffe daher im Fleisch ein. Das hilft ihm, im kalten Wasser überleben zu können.

kulinarium-austria: Island

Was bei uns eher ein Fall für die Tierkörperverwertung wäre, ist in Island eine Delikatesse, denn genießbar wird der Hai erst durch einen wenig appetitlichen Prozess. Das Tier wird zerteilt und sechs Wochen lang eingegraben oder in durchlässigen Holzkisten gelagert. Durch die Fermentierung wird der Großteil des Ammoniaks freigesetzt. Danach wird der Hai noch gut vier Wochen lang aufgehängt an der Luft getrocknet.

„Gammelhai“ soll Kreislauf und Verdauung anregen und den Körper reinigen. Zu bekommen ist Hakarl auch in einigen Touristenshops. Vakuumverpackt – was bei dem Geruch auch angebracht scheint.

Wie die Delikatesse produziert wird, zeigt dieses Video:

Dazu passt der „schwarze Tod“ genannte „Brennivin“, der aus Kartoffeln gebrannte und mit Kümmel aromatisierte Schnaps – gewissermaßen das alkoholische Nationalgetränk.

Apropos Alkohol: Getrunken wird am Wochenende – dort aber ausgiebig und ohne besonders darauf zu achten, was. Reykjavik ist berühmt für sein reges Nachtleben. Lokale brauchen eine Ausschanklizenz, ansonsten gibt es Hochprozentiges in Alkoholläden. Hier muss man sich zu Stoßzeiten in die Schlange stellen. In normalen Geschäften wird nur Leichtbier verkauft. Übrigens war Bier in Island bis zum 1. März 1989 ganz verboten.

Ansonsten lieben die Isländer Kaffee, der in unterschiedlichsten Qualitäten verkauft wird. An Raststätten bekommt man auf Nachfrage wie selbstverständlich einen leeren Becher verkauft. Mit diesem macht man sich dann auf die Suche nach der Kaffeestation. Mit italienischem Espresso sollten man allerdings nicht rechnen.

Zum Nachtisch sollte man „Skyr“ nicht versäumen. Das ist eine topfenähnliche Creme aus Magermilch, die meist mit Beeren verfeinert wird und in jedem Supermarkt erhältlich ist. Lecker sind auch die süßen Pfannkuchen.

kulinarium-austria: Island

Das mit den Tankstellen und Imbissen ist so eine Sache. Diese sind in jedem noch so kleinen Dorf zu finden. Hungern muss man also bestimmt nicht, allerdings hält sich auch die Abwechslung in Grenzen. Hier wird alles verkauft, was viel Fett und Zucker enthält: Fritten, Bratwurst oder Zuckerwatte in der Dose. Die Einheimischen stehen darauf und langen kräftig zu. Außerdem haben Sie ein Faible für Hotdogs in verschiedensten Variationen.

Traditionelles Essen wird voller Stolz zu den Volksfesten kredenzt: Selbst gemachte Blutwurst, eingelegte Widderhoden, gesengter Schafskopf (von dem auch die Augen verzehrt werden), Sulze oder Schafsmagen.

Als Delikatesse gelten auch die süßen Papageientaucher, die zu tausenden an den Küsten der Insel brüten. Leider schmecken sie (angeblich) hervorragend und sind zudem an Land sehr tollpatschig. Die Jäger können sie ganz einfach mit an Stangen befestigten Netzen „ernten“. Auch die sich vor den Küsten tummelnden Robben werden gejagt und gegessen. Es gibt für beide Arten allerdings auch Schutzgebiete.

Wer sich genau umsieht, wird in seltenen Fällen auch Walfleisch auf den Speisekarten finden. Denn wie Norwegen und Japan setzt Island trotz viel Kritik immer noch auf Walfang. Wer die sanften Riesen schützen will, ist mit einer Bootstour zum Whale Watching sicher weit besser beraten.

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