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Gin – Eine Spirituose mit starkem Charakter

Über gute Spirituosen darf man niemals emotionslos schreiben. Ganz einfach schon mal deshalb, weil man ihnen dann niemals gerecht wird. Ein guter Gin ist ein guter Gin ist ein guter Gin. Das ist so wahr wie nur etwas wahr sein kann. Und unumstößlich. Über einen guten Gin zu schreiben, ist wie zu Architektur zu tanzen. Gin muss probiert werden, verkostet, genossen. Natürlich in Maßen und mit Weitblick –  ansonsten fehlt einem nach ein paar Schlücken der Durchblick. Was schade wäre und dem Schmecken und dem Genuss den Weg versperren würde. Dem Gin muss man sich von der sachlichen Seite bis hin zum Genuss annähern.

Was ist Gin nun also? Auf ganz sachlicher Ebene nicht viel mehr als eine meist farblose Spirituose mit Wacholder. Das macht ihn auch zu einem wichtigen Bestandteil vieler Cocktails, so zum Beispiel eines Martini oder des Longdrinks Gin Tonic. Gin hat die Zuschreibung, neben Wodka in den Bars die „Universalspirituose“ schlechthin zu sein. Ihm werden herausragende Mixeigenschaften ebenso zugeschrieben wie ein sehr charakteristischer Geschmack. Wer einmal Gin getrunken hat, der will sich diesen Genuss immer wieder gönnen. Und genau das ist Gin wohl auch: Ein Getränk für  Genießer, die einen feinen, ganz speziellen Geschmack mögen, der dennoch nicht zu sehr aus dem Rahmen fällt. Gin ist zugleich ein Getränk, das für die breite Masse geeignet ist, als auch ein Getränk, das sich Feinschmecker immer noch gerne hinter die Binde kippen.

Gin weilt jedenfalls schon länger unter uns. Seinen Ursprung hat er im Holland der 50er Jahre des 16. Jahrhunderts. Seiner ursprünglichen Bestimmung als Pharmazeutikum hat er sich aber zum Glück schnell entledigt und fand so sehr schnell den Weg in die Gläser des einen oder anderen Barbesuchers. Seinen Sprung nach England schaffte die Spirituose außerdem auf eine sehr interessante Weise: Britische Truppen erhielten im 30-jährigen Krieg ihre Ration Gin, damit die Motivation, weiterhin in den Krieg zu ziehen, nicht endgültig flöten ging. Merke also: Das Getränk ist vielfältig einsetzbar und ist sinnvoll sowohl in Kriegen als auch in der Bar, in der es primär um Genuss geht.

Der Geschmack des Gin: Der Teufel liegt im Detail…

Der Teufel liegt dabei, wo wir gerade von Genuss gesprochen haben, im Detail. In diesem Fall natürlich ganz speziell beim Herstellungsprozess. Gesetzlich darf der Gin nämlich aus jeglichem Ethylalkohol hergestellt werden. Wichtig dabei ist aber, dass dieser auf natürliche Gärungsprozesse zurückgeht und nicht künstlich im Labor synthetisiert wurde. Diese Grundlage des Gin wird üblicherweise aus Getreide produziert, allen voran Gerste und Mais.

Entscheidend für den Gin ist dabei die Auswahl der Kräuter und Gewürze, die neben den Wacholderzapfen maßgebend dazu beitragen, wie er dann tatsächlich schmeckt. Es finden neben Wacholder meist auch Kräuter und Gewürze wie Koriander, Angelika, Orangenschalen, Kardamom, Zimt oder Muskat ihren Einzug in den Geschmack des Gin. Wenn dann alles gut über die Runden gegangen ist und er fertig am Tisch steht oder bereits im Glas ist, kann man erst als Genießer einen guten Gin von einem weniger guten  unterscheiden. Auch hier liegt der Teufel natürlich im Detail.

kulinarium-austria: Gin

Und am besten genießt man natürlich regional. Denn in Österreich haben einige Brenner erstaunliche Fertigkeiten in Bezug auf die Gin-Herstellung entwickelt, die hier definitiv erwähnt werden sollten. Die Intention der österreichischen Brenner war es dabei wohl kaum, die internationalen Konzerne in Angst und Schrecken zu versetzen. Vielmehr dürfte das Argument der Qualität auf dem Tisch gewesen sein. Brenner gibt es einige, zum Beispiel Anton Vogl von der Brennerei Guglhof, Markus Wieser, Hans Reisetbauer oder auch das Weingut Schloss Halbturn.

Wer in Österreich nach gutem Gin sucht, der wird ihn auch finden. Die Suche lohnt sich. Und dann erst der erste Schluck von einem guten Gin. Ich finde nur ein Wort dafür: Herrlich. Denn der Gin ist ein Getränk mit Charakter. Nicht auf eine ähnliche Weise geschmacksneutral wie z.B. Wodka. Gin kennt Varianten, Variationen und Geschmacksdifferenzen, abhängig vom Hersteller und abhängig von den verwendeten Gewürzen und Kräutern. Selbst der Brennprozess ist nicht genau festgelegt und lässt den Brennern Freiraum. Die Herstellung ist also fast schon eine Spielweise, auf der lediglich die Qualität eine absolute Konstante sein sollte. Zum Glück ist das bei sehr vielen Brennern in Österreich der Fall. Am besten ihr kostet euch selbst einmal durch…

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<p>Blogger-in-Chief Kulinarium Austria</p>

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