Wir verstehen die Kunst der Verführung!

 

In der Normandie trifft Camembert auf Calvados

Die weißen Felsen von Etretat, die alten Fachwerkhäuser, eine steife Atlantikbrise, erhabene gotische Kathedralen, Jean d‘Arc, Impressionismus, Kriegsschauplatz im Zweiten Weltkrieg. Alles Stichwörter, die für sich alleine schon einen Besuch in der Normandie füllen könnten. Und dazu lukullische Verführungen, soweit das Auge reicht: Von Austern bis Calvados, von Camembert bis Cidre. Äpfel, Käse und Meer dominieren. Die Normandie ist ein Reiseziel für vielseitige Genießer.

Honfleur, das malerische Seefahrerstädtchen mit seinen Fachwerkhäusern ist ein guter Ausgangspunkt. Es lädt zum Flanieren und Träumen ein, war es doch Startpunkt zu den Meeren der Welt. Ein guter Platz, um sich mit dem verwöhnen zu lassen, was das Meer hergibt. Austern, Fischeintopf, Bouillabaisse, Hummer oder Moules – also Muscheln. Ein ganz typisches normannisches Gericht sind zum Beispiel die in Cidre gedämpften Miesmuscheln.

Deftiger geht’s in der Fleischabteilung zu: Entenbraten mit Soße aus Wein und Entenblut, Innereien, Lamm– und Hammelbraten, Blutwurst. In Mortagne steigt jeweils im März ein eigenes dreitägiges Blutwurst-Festival, an dem die besten Würste prämiert werden.

Nicht unbedingt jedermanns Sache. Im Zweifelsfall einfach kosten. Was ungewöhnlich klingt, schmeckt oft herrlich. Und wer nichts ausprobiert, entdeckt schließlich auch nichts Neues. Die Soßen sind deftig und fett. Und das führt uns zu den Getränken.

Kulinarium Austria: Normandie
© yari2000 / Shutterstock, Inc.

Kulinarische Genüsse in der Normandie

Cidre und Calvados sind wohl die bekanntesten Alkoholika der Normandie. Der Cidre, früher vor allem in Frankreich, Großbritannien und manchen Regionen Deutschlands beliebt, hat in den vergangenen Jahren einen Siegeszug durch Europa angetreten und ist inzwischen fast überall zu bekommen. Auch wenn die Qualität höchst unterschiedlich ist. Ebenso wie Süße und Alkoholgehalt. Lieber langsam anfangen, wenn man ihn nicht gewohnt ist. Sonst könnte es auf die Toilette eilig werden.

Der Calvados ist ein meist vorzüglicher Apfelschnaps. Eine Spezialität, für die man die Geldbörse mitunter ziemlich weit aufmachen muss. Die Qualität wird mit dem Alter berechnet. Sechs und mehr Jahre sind die höchste Stufe. Als Aperitif werden die beiden Getränke gemischt kredenzt. Ohne Calvados geht jedenfalls gar nichts. Ob als Getränk, in den Soßen oder Desserts ist dabei Nebensache.

Nicht zu vergessen der Benedictine, ein dunkler Kräuterlikör, der aus dem Kloster von Fecamp stammt. Eine Weintradition gibt es in der Normandie dagegen nicht.

Wer sich für Essen und Trinken interessiert, der wird von den vielen Märkten mit Produkten aus der Region begeistert sein. Gemüse, Obst, Fisch, Fleisch, Käse – alles wird hier frisch angeboten. Die Region ist für ihre vielseitige Käsetradition mit zahlreichen Sorten bekannt. Insbesondere Weichkäse ist verbreitet. Der Camembert ist ohne Frage der berühmteste darunter. Benannt nach dem gleichnamigen Dörfchen, wo er einst erfunden wurde. Ein Priester soll ihn einst kreiert und Marie Harel geschenkt haben, die ihm in der französischen Revolution Schutz bot. Verpackt wird der Schimmelkäse in den traditionellen Spanholz-Schachteln. Das Camembert-Festival steigt Anfang Juni in Lanquetot.

Kulinarium Austria: Normandie

Aber zurück ans Meer: Mont St. Michel – den berühmten Klosterberg auf einer in den Atlantik ragenden Halbinsel muss man bei einem Besuch in der Normandie fast gesehen haben. Auch wenn der Parkplatz mit den vielen Bussen davor leicht abschreckend wirkt. Schön anzusehen, aber immer gut besucht. Was hier noch besonders ist: Der Platz hat die stärksten Gezeiten Europas. Bis zu 15 km zieht sich das Meer bei Ebbe zurück.

Beeindruckende gotische Kathedralen gibt es zum Beispiel mit Notre Dame in Rouen oder auch ganz im Nordwesten in Cherburg mit Ste-Trinité. Apropos – von hier aus blickt man schon auf die britischen Kanalinseln und die Stadt ist das Tor in Richtung britischer Inseln, Fährhafen und größter Yachthafen Frankreichs. Die Küstenregion bietet sich herrlich zum Radfahren an. Nach den deftigen kulinarischen Abstechern sicher eine abwechslungsreiche Idee. Hier, an der Cote de Nacre gibt es die schönsten Sandstrände. Das Land ist aber auch historisch interessant, finden sich doch zahlreiche Relikte und Schauplätze aus dem Zweiten Weltkrieg in der Gegend.

Etwas nördlich von Le Havre, liegt Etretat mit den berühmten weißen Felsen und der Alabasterküste. Eine Wanderung hier ist ein großartiges Naturerlebnis. Vorher aber unbedingt den Tidenkalender checken oder sich vor Ort erkundigen, sonst muss man sich unter Umständen die Füße nass machen oder gar schwimmen. Unabhängig von Ebbe und Flut spaziert man auf den Klippen.

Zurück Richtung Honfleur geht es über den Pont de Normandie, eine beeindruckende Brücke mit einer Spannweite von 900 Metern, die über das Seine-Delta führt. Moderne Architektur vom Feinsten mit großartigem Ausblick.

Weiter geht’s nach Deauville. Ein nobles Seebad, Luxusstädtchen mit Nobelhotels, Kasino, Golf, Polo aber vor allem bekannt für seine Pferderennen. Für die edlen Tiere gibt es sogar zwei Rennbahnen. Auc eine große Jährlingsauktion wird hier abgehalten.

Wir sind bei der Nachspeise angelangt. Zum Dessert gibt’s Crêpe in den verschiedensten Variationen oder Apfelkuchen – flambiert mit Calvados. Bourdelots sind mit Zucker und Zimt gefüllte und in Blätterteig gehüllte Äpfel. Die Obstbautradition mit ihren Birnen und vor allem Äpfeln spiegelt sich nicht nur in den Getränken, sondern auch in den süßen Speisen wieder.

Zur kulinarischen Einstimmung gibt es auf der Webseite des Tourismusverbandes einige traditionelle Rezepte zum Ausprobieren. Von Jakobsmuscheln bis Butterkeks.

Letzte Artikel von Julia Hitthaler

Share Post
Verfasst von
Keine Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

*