Wir verstehen die Kunst der Verführung!

 

Warum bitteschön Frühstücken? Darum!

Was haben wir nicht schon alles übers Frühstück gehört. Von wegen wichtigste Mahlzeit des Tages und so. Wer frühstückt, der startet gleich mal voller Elan und gut gelaunt in den Tag und leistungsfähiger ist der Frühstücker dann ohnehin. Im Buch „Herr Lehmann“ ist der Protagonist hingegen genervt von den Frühstückern, die ihren Müßiggang fast schon ostentativ zur Schau stellen. Für mich ist die Frage nach dem Frühstück die Gretchenfrage: Sag, wie hältst du es mit dem Frühstück?

Ich habe mich jedenfalls fundamental verändert. Und ich beantworte obige „Gretchenfrage“ mittlerweile vollkommen anders. Während ich früher das Frühstück mal immer wieder kurzerhand gecancelt habe, ist es mittlerweile fester Bestandteil meines Tagesablaufes. Und tatsächlich wichtig. Es fällt mir aber immer noch nicht leicht, es in seiner Funktion zu bestimmen. Das werde ich hier versuchen.

Die Funktion bzw. eben Nicht-Funktion des Frühstückes in meinen jungen, wilden Tagen ist eigentlich relativ einfach zu beschreiben: Ich gab dem Schlaf den Vorzug und ließ somit das Frühstück gar nicht erst in meinen Alltag und Arbeitsalltag Einzug halten. Die Zeit, die man frühstücken kann, die kann man auch genauso gut schlafen. Eine spätere Jause tut es schließlich auch. Schlaf war zu wertvoll und zu kostbar, um ihn mit der Zeit fürs Frühstücken zu stören.

kulinarium-austria: Frühstücken

Frühstücken – Vom nein danke zum ja bitte!

Später wurde ich zunehmend zum Pragmatiker. Und zum Frühstück förmlich gezwungen. Wer Kinder hat der weiß, was ich meine. Wenn man schon nicht länger schlafen kann und die Kinder bereits um kurz nach 6:00 auf der Matte stehen bzw. auf überraschende Weise neben einem im Bett aufwachen, dann kann man wenigstens Frühstücken. Zeit gibt es jetzt ja plötzlich. Der frühe Vogel, der mich früher einfach nur am Arsch lecken konnte war jetzt plötzlich omnipräsent in meinem Leben geworden.

Und wenn ich schon mal so früh wach bin, dann möchte ich dem frühen Vogel dennoch irgendwie eines auswischen und mir schlicht und einfach so viel Zeit lassen, wie es jetzt eben möglich ist. Der frühe Vogel steht ja oft auch in Zusammenhang mit einem Leistungsdenken bereits in aller Herrgottsfrüh. Alles muss effizient gehen. Ich hingegen strecke meine Füße aus und denke gar nicht daran, in der Früh schon effizient, gut gelaunt und leistungsfähig zu sein. Vielmehr genieße ich, so lang wie möglich. Trödle. Lerne dieses Trödeln von meinen Kindern, die diese Tätigkeit perfektioniert haben. So viel zum Thema, dass Erwachsene auch von Kindern lernen können und nicht nur umgekehrt.

Vielleicht ebneten diese Erfahrungen und Erlebnissen den Grundstein für meine jetzige Haltung zum Frühstück. Denn seien wir uns mal ehrlich: Ich entwerfe da auch eine schöne Utopie, die im Elternalltag nicht immer funktioniert. Das eine Kind muss in den Kindergarten, das andere in die Schule. Angezogen, gewaschen und gekampelt sollen die Kinder auch noch werden. Die hier beschriebenen Momente des Müßigganges und der Ineffizienz kann man also an einem Finger abzählen.

Nur: es gab kein Zurück mehr. Lange schlafen war kein Thema mehr. Ich hatte einen neuen Lebensrhythmus etabliert. Frühstücken hatte sich in mein Leben eingeschlichen und der Zeitraum des Frühstücks hatte sich fest eingenistet und war nicht mehr wegzudenken.

Die logische Konsequenz daraus, jetzt wo die Zeit und die Gewohnheit zum Frühstücken schon mal da waren: Es musste um die Erhöhung der Qualität dieser Zeit gehen. Nichts gegen ein Frühstück zuhause im trauten Kreis der Familie. Aber vollkommen stressfrei sieht nun mal anders aus.

Seitdem haben wir genau diese Qualitätszeit etabliert. Ganz ohne Kinder, die schließlich ja auch Freunde und Omas hatten, die an einem Wochenende mal gut auf sie aufpassen konnten. Wir gaben uns Zeit für uns zu zweit. Zeit zum Frühstücken, das uns wichtig geworden war. Deshalb haben wir in Innsbruck bereits eine durchaus beachtliche Zahl an Frühstücksmöglichkeiten durch. Einige die mir besonders empfehlenswert vorkommen möchte ich hier kurz anreißen.

Ein absolutes Highlight ist für uns immer wieder das „Munding. Das Frühstück hier kann sich absolut sehen und schmeckenlassen. Die Einrichtung ist zwar noch ein wenig altbacken, kann aber auch schon fast wieder als retro gelten. Zumindest aber als charmant. Das Frühstück gehört jedenfalls zu den besten der Stadt.

Außerdem möchte ich auch auf das Café Sacher hinweisen. Dieses Café gefällt mir nicht nur wegen der Einrichtung, sondern auch wegen der stilechten Musikbegleitung. Klassische Musik und Oper passen für mich herrlich zum üppigen „Anna Sacher Frühstück“. Und mit einem guten Glas Sekt zu einem guten Frühstück kann ohnehin schon fast nichts mehr schiefgehen.

Kurzum, liebe Leserinnen und Leser: Frühstückt! Gönnt euch diese Zeit. Stellt diese Zeit aber nach Möglichkeit nicht in einer pure Funktion der Notwendigkeit, sondern ersetzt sie mit der Funktion bzw. Funktionslosigkeit des Genusses und des stundenlangen Schlemmens und Müßigganges. Dann endlich werdet ihr verstehen, warum das Frühstück die wichtigste Mahlzeit des Tages ist. Auch ich habe erst Mitte dreißig werden müssen um das endlich zu verstehen.

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<p>Blogger-in-Chief Kulinarium Austria</p>

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