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Ein Gentleman als Gastgeber zwischen Naschmarkt und Albertina

Brigitta Mesenich und Christian Knapp von KULINARIUM-AUSTRIA trafen den Touristiker und Top-Gastronomen in der Brasserie in seinem „GUESTHOUSE“ im 1. Wiener Bezirk.

Manfred Stallmajer ist Direktor des „The Guesthouse Vienna“ im mondänen 1. Bezirk direkt vor der Albertina  und Inhaber des bekannten Wiener „Kult“- Café Drechsler beim Naschmarkt. Die Unterschiede sind klar, aber es sind die Gemeinsamkeiten und „Soft-Skills“, welche den Erfolg des Teamplayer Stallmajer ausmachen.

Herr Stallmajer, Sie sind bekannt für Ihre Eigenschaften als perfekter Gastgeber. Was macht einen solchen Ihrer Meinung nach aus?
Das Wichtigste dazu: Ich habe erkannt, dass nicht nur der Gast, sondern auch der Mitarbeiter relevant ist. Ich versuche, ein faires Arbeitsklima zu schaffen, wo jeder Einzelne authentisch sein und eigenverantwortlich agieren kann. Meine Verantwortung: Nicht den Mainstream abdecken, sondern eine Nische schaffen und dabei Gemütlichkeit ausstrahlen.

kulinarium-austria: Manfred Stallmajer

Manfred Stallmajer




Sie haben es geschafft, das Wiener Publikum in die hoteleigene Brasserie & Bakery zu bringen, was in dieser Stadt kein Leichtes ist. Was ist das Geheimnis?
Das mag an unserem unkomplizierten Angebot liegen, an der Qualität, dem servierten Frühstück bis in die Abendstunden – und auch daran, dass das The Guesthouse Vienna nicht austauschbar ist. Unser faires Preis-Leistungsverhältnis, das herrliche Brot aus der eigenen Bäckerei und die Tatsache, dass wir auch einen Krug mit frischem Leitungswasser einfach so und kostenlos auf den Tisch stellen. Die gelebte Herzlichkeit ist sicher auch ein entscheidender Faktor, dass die Wiener und Wienerinnen gerne in unserem Haus aus- und eingehen. 
Zur aktuellen Diskussion, Klarheit für die Gäste zu schaffen und die Herkunft von Fleisch oder Eiern zu deklarieren möchte ich sagen, dass ich kein Verständnis für die Ablehnung seitens der Wirtschaftskammer habe. Es wird Zeit für eine Aufpolierung des Gastronomie-Images, das durch ständiges Branchenjammern leidet. Ich bin stolz darauf, welche exzellenten Produkte ich in meinen Betrieben – auch im Café Drechsler – verwende und möchte diese Qualität meinen Gästen nicht vorenthalten. Wer schlechte Qualität führt, soll auch dazu stehen. In Wien wird sehr großen Wert auf Qualität gesetzt – mehr als anderswo in Österreich.

Was war die größte Herausforderung Ihres Lebens bzw. was hätten Sie lieber nicht gemacht?
Die größte Herausforderung war wohl die Unterschrift des Pachtvertrages für das The Guesthouse Vienna für 25 Jahre!
Was hätte ich lieber nicht gemacht … eigentlich gar nichts, denn sonst hätte ich aus meinen Fehlern, die einfach passieren, nicht lernen können.

Woher nehmen Sie Ihren Antrieb und woraus schöpfen Sie immer wieder Kraft?
Da ich ein grundsätzlich sehr zufriedener Mensch bin, genügt mir mein Kraftplatz im Südburgenland, wohin ich mich fast jedes Wochenende zurückziehe.






Das Abendprogramm in der Brasserie im The Guesthouse Vienna wurde neu in Szene gesetzt.  Was erwartet Ihre Gäste?
Wir setzen voll auf Weiß! Weiße Tischwäsche, weiße Dinnerjackets im Stil der 20er Jahre. Wien ist anders und weiße Tischwäsche wird hier als exklusiv angesehen. Unsere Gäste sind jedenfalls happy damit!




Was schätzen Sie an Ihrem Team im The Guesthouse Vienna ganz besonders?
Es freut mich ganz besonders, dass ein Großteil des Teams von Anfang an dabei ist. Meine Crew identifiziert sich unheimlich stark mit dem Haus und lebt auch dessen Spirit … und genau das schätze ich.

kulinarium-austria: Manfred Stallmajer

Manfred Stallmajer, Brigitta Mesenich

Merken Sie – in Zeiten der Flüchtlingskrise –  das weltweite Gefühl der Unsicherheit? Inwiefern beeinflusst dieser Faktor die Hotelbuchungen?
Das ist schwierig zu sagen. Gewisse Märkte wie z.B. die USA sind rückläufig, da durch die überlauten Boulevardmedien verbreitet wird, dass bei uns alle Bahnhöfe völlig mit Flüchtlingen überfüllt sind. Andere Märkte öffnen sich, jedoch lautet hier mein Grundsatz: Nie über das Leid der anderen freuen – denn das kann ganz schnell in die falsche Richtung gehen.

Ihnen gehört auch das Café Drechsler beim Wiener Naschmarkt, das im Herbst noch – ganz frisch und sehr kurz –  Gastgartenfeeling verbreitet hat. Wie wichtig war das für Sie?

Überlebenswichtig! Wir haben den Look des Cafés nach außen transportiert und gemeinsam mit den jungen Architekten Daniel Hora und Marianna Milino von Mega Tabs umgesetzt. Darauf bin ich sehr stolz! Zu einem Drittel bieten wir Lounge-Sessel an – der Rest besteht aus gängigen Gastgartentischbereichen. Am 1. Mai dürfen wir endlich wieder öffnen!

Sie haben kürzlich in Deutschland Ostseeluft geschnuppert. Sind Sie eher ein Stadtmensch oder steckt auch ein Landei in Ihnen?
An der Ostsee urlauben ist gerade im Winter einfach ein Traum! Schnee, Meer und Langlaufen … eine tolle Kombination!
Eigentlich bin ich eher ein Landmensch und brauche viel Grün, Tiere und Natur pur. Wenn ich aber in der Stadt bin, dann so richtig! Die Tatsache, dass ich alles zu Fuß erledigen kann, da ich in der City wohne, bedeutet für mich absolute Lebensqualität. Ich würde sagen: die Kombination von Stadt und Land macht es aus!

Ohne welche Institution können Sie sich Wien nicht vorstellen?
Wien ohne Kaffeehaus, ohne dem großartigem Theaterangebot und ohne der grünen Lunge Prater – für mich undenkbar!

Das Interview führten Brigitta Mesenich und Christian Knapp von KULINARIUM-AUSTRIA.

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